Herzlich Willkommen auf meinem Blog !!
ich habe für 2013/2014 10 Monate in Tansania, Tosamaganga gelebt. Dort habe ich in einem Kinder- und Waisenheim gelebt. Hier kann man über meine Erlebnisse und Erfahrungen während der 10 Monate lesen und sich über die Aktion Milchpulver für Tosamaganga informieren.

Bei persönlichen Fragen kann man gerne über das Kontaktformular schreiben.

Viel Spaß !

Dienstag, 7. Januar 2014

Weihnachten

Hier jetzt also endlich der Weihnachtsbericht. Am besten fange ich mal am 24. an. Dass nicht so richtig Weihnachtsstimmung aufgekommen ist, habe ich ja schon berichtet. Auch deswegen haben wir am 24. Mittags mal was typisch weihnachtliches gemacht, nämlich Plätzchen gebacken. Zusammen mit Elisa, Julia, Memo und Daniella haben wir die Küche in Beschlag genommen. Gebacken wurde Lebkuchen, der toootal lecker war, Butterplätzchen und noch so Schokoladen-Dinger aus Schoko-Pops. Meine Butterplätzchen sind leider etwas missraten, da ich anstatt Backpulver Hefe nehmen musste und anstatt Margarine Öl. Naja am Ende haben sie garnicht so übel geschmeckt, aber sie waren nicht mit zu Hause vergleichbar. Es war sehr lustig und es ist wenigstens ein bisschen Weihnachtsstimmung aufgekommen. Nachdem alles schön dekoriert war, wurden die Plätzchen und der Lebkuchen weggepackt, denn diese sollten erst am 26. gegessen werden. Den restlichen Nachmittag widmeten wir uns unserem Zimmer, das aufgeräumt werden musste. Dann gab es etwas früher Abendessen als sonst, denn um 20 Uhr war Treffen mit unserem Chor. Wir hatten die große Eher an Heiligabend zu singen und uns ausgiebig darauf vorbereitet. Um ca. halb 9 wurden wir dann von unserem Chor abgeholt. Wir standen mit etwa 20 Leuten hinten auf der Ladefläche eines „Pick Ups“ drauf. Diese Art des Massentransportes ist hier sehr verbreitet. Die Ladefläche ist „überdacht“ von einem Gerüst, woran man sich festhält. Zum Aufsteigen gibt es keine spezielle Vorrichtung, sodass man einfach irgendwie reinklettert, ohne, dass das Kleid reist. So sind wir also mit dem singenden Chor durch die tansanische Dunkelheit gefahren. Ein paar kleine Stimmen in meinem Hinterkopf erzählten mir immer wieder wie blöd es wäre, wenn jetzt der ganze Pick Up umkippt oder wie blöd es wäre, wenn das sowieso schon lockere Gerüst endgültig abbricht. Ich habe allerdings versucht diese Stimmen zu unterdrücken. Ein kleines Stoßgebet habe ich trotzdem in den Himmel geschickt, als wir heil oben an der Kirche ankamen. So gegen viertel vor 9 kamen wir also oben an, zogen unser Chor-Gewand an und probten noch ein bisschen. Die Messe war für den Chor erfolgreich, auch wenn ein Lied in die Hose ging. Um viertel vor 1 war die Kirche dann vorbei. Eigentlich hatten Nina und ich schon lange geplant, dass wir Heiligabend ein paar Filme gucken und unsere Süßigkeiten verspeisen wollten. Aufgrund der Uhrzeit wurde dies dann auf den folgenden Abend verschoben, auch wenn wir es uns nicht nehmen ließen zumindestens einen Film anzufangen. Am 25. ging es dann morgens um 8 direkt wieder in die Kirche, diesmal mit den Kindern.  Zur Feier des Tages gab es morgens zum Frühstück Rosinenbrötchen, die super lecker waren.
Johnny hatte sein ersten Kirchengang schon am Sonntag vorher zusammen mit mir absolviert, wodurch auch der Weihnachtskirchengang kein Problem für uns 2 war. Nach der Kirche wurden die Kinder dann schnell gefüttert und es hieß wir fahren direkt um 11 weiter auf eine große Weihnachtsfeier in Iringa. Dorthin waren noch 2 weitere Waisenheime eingeladen und es wurde von einer Fernsehsendung organisiert. Im Waisenheim warteten schon einige Verantwortliche auf uns, um uns schicke orangene T-Shirts der Sendung zu geben, die alle zu tragen hatten, sogar die Kleinen. Da der Bus, der uns in die Stadt bringen sollte zu klein war für das gesamte Waisenheim (120 Leute), musste dieser 2 mal fahren. Deswegen und aufgrund der typischen tansanisches Unzuverlässigkeit verließen wir das Waisenheim anstatt wie geplant um 11 Uhr, um halb 2 mittags. Naja mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und wunder mich über gar nichts mehr. Als wir dann auch endlich ankamen, war die ganze Veranstaltung doch etwas schräg. Vorne auf der Bühne saß die Moderatorin der Show und interviewte ein paar Verantwortliche von den Waisenheimen , auch unsere Sister Helena ( der Boss sozusagen). Wir saßen an runden Tischen vor der Bühne, mit samt den anderen Waisenheimen und den Kindern. Dort saßen wir im Grunde bis zur Abfahrt. Überall sprangen Kamera-Leute rum und filmten alles. Irgendwann gab es auch noch Essen, was sehr lecker war. Ich habe mich die ganze Zeit mich Johnny beschäftigt, der friedlich auch meinem Schoß saß und die Sprite genossen hat, die ich ihm eingeflößt habe. Die Kinder haben ein paar Geschenke bekommen, was ich doch sehr nett fand, immerhin bekommen sie ja sonst von niemandem was. Im Großen und Ganzen glaube ich allerdings, dass die Waisenheime eher zur Inszenierung der Kinder eingeladen wurden. Kommt ja immer gut, wenn man ein paar armen, kleinen Kindern eine Freude macht, sogar im tansanischen Fernsehen. Nachdem wir zurück waren, waren auch alle sehr müde, vor allem die Kinder, die auf ihren Mittagschlaf verzichtet haben. So wurden die Kids noch schnell gefüttert und dann gegen 5 waren alle im Bett. Auch wir ruhten uns ein wenig aus. Nach dem Abendessen machten wir dann endlich unsere eigene kleine Weihnachtsfeier mit Spekulatius, Weihnachtsmandeln, Weihnachtsschokolade, Pringles, Haribo und Filmen. Zudem dekorierten wir unser „Wohnzimmer“ ein bisschen und machten es uns gemütlich. So ging der  1. Weihnachtsfeiertag dann auch zu Ende.
Am 26. Morgens hieß es dann direkt wieder: Kirche. Juhu. Diesmal allerdings aus einem anderen Grund. Ich weiß nicht genau wie es anderswo ist, aber hier in unserer Gegend gibt es anscheinend nur einmal im Jahr Taufe, wo dann alle Kinder kommen, die in diesem Jahr auf die Welt gekommen sind, bzw. die vorher noch nicht getauft worden sind. So sind wir mit allein 16 Kindern aus unserem Heim losgefahren. Auch Johnny war dabei, den ich mitnehmen durfte. Ich kann es nicht genau sagen, aber ich schätze, dass bestimmt mindestens 40 Kinder an diesem Tag getauft worden sind. Man stellt sich das jetzt vielleicht wie eine Massenabfertigung vor, aber ich fand es war trotz der Menge an Kindern noch sehr individuell gemacht. Der Priester hat sich bei jedem Kind viel Zeit gelassen. Der Priester war ein Weißer, was hier sehr oft vorkommt. Alle Weihnachtsmessen wurden von weißen Priestern gehalten und auch sonst ist eher selten ein dunkelhäutiger Priester da. Die Kinder und ihre Eltern standen im Halbkreis um den Altar herum und der Priester ist immer rundgegangen, um alle Elemente der Taufe bei jedem Kind einzeln durchzuführen. Seine Taufkerze habe ich mit Johnny angezündet, was total süß war. Auch sein Taufkettchen hat er von mir bekommen, worauf ich echt stolz bin. Über das Wasser hat allerdings ein anderer ihn gehalten, was aber irgendwie bei jedem Kind so gemacht wurde, keine Ahnung wieso. Als Johnny das Wasser übergeschüttet bekommen hat, hat er sehr laut angefangen zu schreien. Ich war trotzdem gerührt. Und ehrlich gesagt wurden die Kinder auch eher gewaschen als getauft, so viel Wasser, wie die auf den Kopf bekommen haben.
Um halb 8 waren wir morgens an der Kirche. Als alles vorbei war und wir nach Hause fuhren war es 12 Uhr. Ich war wie immer froh, die ganze Zeit Johnny bei mir gehabt zu haben, der mir die zeit immer erträglich macht. Und er benimmt sich auch immer super gut, ich musste noch nie rausgehen, weil er angefangen hat zu weinen. Meistens schläft er einfach irgendwann ein. Hat er auch recht.
Mittags gab es dann noch die Waisenheim interne Weihnachtsfeier. Wir haben alle zusammen im großen Essensraum zu Mittag gegessen und alle Kinder, Dadas, Gäste und Schwestern haben das gleiche Essen gegessen.  Es lief Musik und wir saßen schön zusammen. Zum Nachtisch gab es endlich die Plätzchen und den Lebkuchen und es war alles sehr lecker. Kurz bevor es dann zur Bescherung kam (für die Kinder Süßigkeiten, für die Dadas Kangas und für die Kakas Flip-Flops) wurde die Party von einer Reisegruppe Australier gesprengt, die kleine Kuschel-Koalas mit „I ♥ Australia“-Fahnen verteilt haben. Das war echt total nervig und wir haben uns gefragt, wie man so blöd sein kann und am 2. Weihnachtsfeiertag einfach unangekündigt irgendwelche Heime zu besuchen. Die ganze Feier war dadurch eher beendet, da keiner wirklich Lust hatte den Australiern beim Fotografieren zuzugucken. Außerdem waren die Kinder auf Geschenke aus und wimmelten die ganze Zeit um die unerwünschten Gäste rum. Dadurch verlief sich alles ein bisschen und auch wir zogen uns zurück. Abends gab es dann normal Abendessen und danach guckten wir nochmal Filme und vernaschten die Reste vom vorherigen Abend.
Damit war dann Weihnachten in Tansania beendet. Es war auf jeden Fall nicht so wie man es aus Deutschland kennt. Und es waren auch nicht die deutschen Weihnachtsgefühle da. Trotzdem will ich es dieses besondere Weihnachten auf keinen Fall vergessen und es auch nicht für ein deutsches Weihnachten tauschen. Es war eine tolle Erfahrung bei all dem hier in Tansania dabei zu sein, auch wenn ich mich wieder auf nächstes Weihnachten in Deutschland mit meiner Familie, dem guten Essen, dem Trubel und dem ganzen Drum und Dran freue ! 

Vorweihnachtliche Geschehnisse

Nach langer Pause mal wieder Hallo aus Tansania! Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell und man merkt gar nicht, wie alles an einem vorbei fliegt. So habe ich auch die ausstehenden Blogeinträge über Weihnachten, Silvester, das Schlagen und anderen Dingen vor mir her geschoben. Jetzt neigen sich allerdings die Ferien dem Ende zu und danach werde ich noch weniger Zeit haben. Deswegen kommen die nächsten 3 Blogeinträge jetzt schnell hintereinander und ich hoffe ich kann den Monat Dezember nochmal gut zusammenfassen.
Bevor ich mich der ausführlichen Beschreibung Weihnachtens widme erzähle ich kurz über ein paar Dinge aus unserer Vorweihnachtszeit. In dieser Zeit ist nicht wirklich deutsche Weihnachtsstimmung aufgekommen, da es hier einfach so viele Dinge nicht gibt, die zu einem „deutschen Weihnachten“ dazu gehören. Sei es Schmuck, Lichterketten, Weihnachtsmärkte, Adventskränze, Weihnachtssüßigkeiten oder die Kälte. Ein bisschen vermisst habe ich den ganzen Weihnachtstrubel schon, aber den werde ich noch oft genug haben.  Ich habe in der Zeit dafür ein paar andere Dinge erlebt, von denen ich ein bisschen erzählen will.
Zum einen haben wir an einem Sonntag nach der Kirche unseren Freund Moses besucht. Er ist 25, hat bereits Theologie und Geschichte studiert, lernt seit 4 Monaten sehr erfolgreich deutsch und ist zudem auch noch Priesteranwärter. In 4 Jahren wird er vermutlich ein richtiger Priester sein und bis dahin widmet er sich noch weiteren Studien. Er hat uns nach der Kirche eingeladen und es gab erstmal ein 2. Frühstück. Einladungen beinhalten in Afrika grundsätzlich Essen. Wir uns also nett mit ihm und noch 2 weiteren Schwestern unterhalten (teilweiße auch auf deutsch) und dazu Tee getrunken und Brot gegessen. Wir haben viel über die Unterschiede zwischen Tansania und Deutschland geredet. Garnicht  glauben konnten unsere Gastgeber, dass wir eigentlich nur einmal am Tag warm essen und es abends eigentlich eher Brot gibt. Und ein Leben ohne Ugali ist auch unvorstellbar für Tansanier.
Nach dem Essen sind wir ein bisschen spazieren gegangen in Tosamaganga, was wirklich ein wunderschöner Ort ist. Vor allem nachdem es jetzt so viel geregnet hat, ist die gesamte Gegend grün geworden, was alles anders aussehen lässt. Nachdem wir ein bisschen gelaufen sind verkündete Moses, dass wir nun die „Wazee“ besuchen werden. „Wazee“ bedeutet alte Menschen, aber wir wussten trotzdem nicht so richtig, wie wir das verstehen sollten. Bis wir dann ankamen und sahen, dass es eine Art Altenheim für die Schwestern war. Direkt auf dem Berg von Tosamaganga, mit tollem Blick über die ganze Iringa-Gegend steht das Gebäude. Wie viele Gebäude in Tansania, hat auch dieses einen „Innenhof“. Auf diesem steht die kleine Kirche für die ca. 25 älteren Schwestern, die dort wohnen. Rundherum ist alles schön bepflanzt und ordentlich gepflegt. An den 4 Seiten liegen dann die Zimmer der Schwestern. Wenn ich sage „ältere“ Schwestern untertreibe ich vielleicht ein bisschen. Im Durchschnitt waren die Schwestern bestimmt 90. Manche saßen schon im Rollstuhl, andere gingen im 90° Winkel gebückt. Trotzdem haben sich die Schwestern unglaublich über unseren Besuch gefreut. Eine Schwester hat uns sogar die Hände geküsst. Ich kann es so schlecht in Worte fassen, wie es für mich war. Ich war so gerührt, dass sich so um die Schwestern gekümmert wird, wenn sie älter werden und diese trotz aller Einschränkungen so dankbar sind. Am meisten beeindruckt hat mich eine Schwester die 1935 als erste Schwester nach Tosamaganga gekommen ist und jetzt stolze 106 Jahre alt ist. Zwar konnte sie nicht mehr hören, aber dafür konnte sie noch laufen und war erstaunlich fit. Sie hat unsere Hände genommen und wollte garnicht mehr auf ihr Zimmer zurück, sondern viel lieber mit uns rum gehen. Ich fand das alles so toll, dass ich mich total beherrschen musste nicht los zu heulen. Ich bin Moses total dankbar, dass er uns das „Altenheim“ gezeigt hat. Nachdem wir wieder zurück gegangen sind und auch noch Mittagessen gegessen haben, haben wir uns wieder auf den Heimweg ins Waisenheim gemacht.

Seit Dezember singen Nina, Niklas und ich auch so richtig im Chor mit. Der ist nicht sonderlich regelmäßig, aber sobald ein Auftritt ansteht, wird auf einmal super intensiv geprobt. So hatten wir vor unserem Auftritt Heiligabend in der Kirche eine ganze Woche lang jeden Tag in etwa 2 Stunden Probe. Irgendwann hatte ich echt keine Lust und keine Stimmer mehr. Zudem ist der Chor wie gesagt etwas unzuverlässig, was aber auf alle zeitlichen Angaben hier in Tansania zutrifft. Wenn der Chor um „4“ anfängt, laufen wir frühstens um halb 5 los. Und selbst dann sind wir noch mit die Ersten. Allen Zeit-, Orts- und Tagesangaben vertraue ich hier mittlerweile nicht mehr.
Einmal hat Brother Bosco uns mitgenommen zu dem Grundstück der Brüder. Dort haben wir dann auch gleich den ersten Bruder hier in Tosamaganga kennengelernt, der sogar „nur“ 97 war.

Ein weiteres Erlebnis hatte ich am 23. Dezember. Dort bin ich mal mit Nina für einen Morgen mit ins Krankenhaus gegangen, um mir die Arbeit auf der Geburtenstation anzugucken. Zu meinem Glück durfte ich auch gleich 2 Kaiserschnitte erleben, aber leider keine richtige Geburt. Ansich ist das Krankenhaus echt schon modern und vor allem riesig, allerdings erinnern manche Dinge auch ein bisschen ans Mittelalter. Die Ärzte machen auf mich einen guten und qualifizierten Eindruck. Hierzu ein kleiner Einschub aus der Anfangszeit hier. Wie ja allen regelmäßigen Lesern meines Blogs bekannt ist, hatte ich einen sehr stark entzündeten Mückenstich. Als dieser dann sogar schon beim normalen Stehen wehgetan hat, habe ich mich zu einem Arztbesuch entschieden. Ich bin also morgens mit Nina gegen halb 8 losgelaufen. Da ich keine Ahnung hatte, wo ich hin musste, haben wir eine Schwester gefragt, die mich an Peter weiter geleitet hat. Dieser arbeitet in der Aufnahme und war ab dann mein Begleiter. Er hat mich in eine Art „Wartezimmer“ gesetzt, was allerdings eher ein Flur war. Das gesamte Krankenhaus ist eigentlich eher ein offenes Gebäude. Alles ist zur Mitte hin offen und die Gänge grenzen direkt an den Innenhof. Da saß ich nun also und wartete bis die Ärzte aus ihrer morgendlichen Besprechung kamen. Um halb 9 kam dann ein Arzt und nahm mich mit ins Behandlungszimmer. Das sah im Grunde aus wie ein deutsches Behandlungszimmer. Ein Tisch, 2 Stühle, eine Liege, ein paar Geräte und ein paar Dokumente. Der Arzt schaute sich den Stich in etwa 2 Sekunden an und verschrieb mir Antibiotikum und Schmerzmittel. Hier gibt es keine Verschreibungszettel, sondern jeder Patient kriegt sowas wie eine „Kundenkarte“ :D Dort steht Name, Alter und Geschlecht drauf. Dann wird dort auch die Diagnose und die Medikamente dagegen drauf geschrieben. Diese Karte muss man sich aufheben, denn man bringt sie zu jedem Arztbesuch wieder mit. Als ich fertig war (ich habe 45 Minuten gewartet und war 5 Minuten in Behandlung), ist Peter mit mir weiter gezogen. Erstmal zu einem Raum, wo ich meine Medikamente bezahlen musste. Ich habe für 30 Tabletten Antibiotikum und 18 Tabletten Paracetamol 2300 Schilling bezahlt: 1,15€. Danach sind wir zur Apotheke gegangen. Dort habe ich dann aus Dosen meine Tabletten in kleine Braune Tütchen abgezählt bekommen. Mit meinen Medikamenten bin ich dann wieder nach vorne gegangen und mein Arztbesuch war beendet. Vorne an der Anmeldung sah ich dann eine ganz lange Schlange Menschen stehen. Ich habe Peter gefragt, worauf sie alle warten. Dann erst sagt er mir, dass sie „Sprechstunde“ eigentlich erst um 9 anfängt und die Menschen darauf warten angemeldet zu werden und behandelt zu werden. Da erst wurde mir klar, dass ich einfach nur vorgezogen wurde. Es war mir so unangenehm an den bestimmt 20 dunkelhäutigen Menschen vorbei zu gehen, die alle auf einen Arzt warten und ich mit meinem kleinen Mückenstich war schon fertig und noch vor der Sprechstunde ohne Warten dran gekommen, nur weil ich eine „Mzungu“ (Weiße) bin. Für das nächste mal weiß ich allerdings Bescheid, dann werde ich mich um Punkt 9 brav zu den anderen Kranken in die Schlange stellen.
Zurück zu meinem Besuch bei Nina. Ich war also zum ersten Mal in meinem Leben bei einem Kaiserschnitt dabei. Ich war sogar zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt in einem Operationssaal (vom Tierarzt mal abgesehen). Der sah eigentlich ganz normal und modern aus. Monitore, Geräte, Operationsgeschirr. Nur die Türen verrieten mir, dass wir in Afrika sind. Das waren nämlich Holz-Klapptüren. Mich erinnerte das an Klapptüren von Kneipen in Western-Filmen.
Der Kaiserschnitt ging ganz schnell. Die Frau wurde betäubt, der Bauch aufgeschnitten, ein bisschen gedehnt und dann kam das Kind schon rausgefluppt. Ein bisschen dramatischer hatte ich es mir vorgestellt, aber es war trotzdem ein tolles Gefühl bei so einem Moment dabei zu sein. Zur Krönung durfte ich dann auch noch die Nabelschnur durchschneiden. Da hab ich mich dann wirklich wie der Ober-Boss gefühlt, wie ich mit meinem Mundschutz und meiner Kopfhaube meine eigene kleine Operation durchführen durfte. Ich gebe zu, es hat ungefähr 2 Sekunden gedauert aber es war trotzdem cool. Danach musste ich dann erstmal rausgehen, weil die Luft mit Mundschutz echt knapp wird und ich geschwitzt habe wie nichts. Was ich auch interessant fand war, dass schwarze Kinder garnicht richtig schwarz zur Welt kommen. Erstmal sind sie mehr so grau. Das eine Kind war sogar heller als ich. Biologisch kann ich mir den Vorgang leider nicht erklären, wie das Kind dann noch dunkler wird, aber interessant fand ich es trotzdem.
Mir wäre der Krankenschwester-Job allerdings nichts. Nina ist ungefähr die Hälfte vom Tag am Rumlaufen durch das gesamte Krankenhaus, was mir ja eher nichts ist. Aber es war trotzdem schön, mal einen Tag mitzuerleben und vor allem eine Geburt mitzuerleben.
Das war dann schon der letzte Tag vor dem 24. . Alles was danach kommt, schreibe ich im Weihnachtseintrag, der bald folgen wird.
Ich hoffe ich konnte ein paar Erlebnisse aus meiner Vorweihnachtszeit gut darstellen. Leider ist es unmöglich die ganzen Erlebnisse und Eindrücke richtig in Worte zu fassen. Ich will alles so gut erklären, wie ich kann aber trotzdem stellt es nie dar wie es wirklich war. Auch Fotos können nie genau das einfangen, was ich zeigen will. Ich hoffe, ihr erfreut euch trotzdem an dem was ich schreibe, ich gebe Alles J

Dienstag, 10. Dezember 2013

Feste

Seit gestern heißt es für mich offiziell: FERIEN. Die Weihnachtsferien starten hier bei uns schon relativ früh und gehen ziemlich lang. Donnerstag, den 5.12.2013, hieß es für die Kinder vorerst zum letzten mal ab in die Schule und erst am 13.01.2014 ist der offizielle Start ins neue Schuljahr. Dieses beginnt nämlich nicht wie in Deutschland nach den Sommerferien, sondern nach den Weihnachtsferien. Deswegen hieß es auch für alle Schüler in der vorletzten Woche: Mtihani (Abschlussprüfungen). Die älteste Klasse (Awali) feierte außerdem den Abgang aus dem Kindergarten. Diese Feier fand am Donnerstag statt und ich werde sie wohl nie vergessen. Um 8:30 Uhr machte ich mich, wie jeden Tag, auf den Weg in den Kindergarten. Viel wusste ich nicht von dem kommenden Tag. Die Tage zuvor wurden ein paar Tänze mit der Awali-Klasse einstudiert und am Tag zuvor wurden Girlanden quer durch die ganze Schule aufgehangen. Außerdem wurde ein Raum sehr feierlich geschmückt und alle Räume und Gebäude gründlichst geputzt. Das tansanische Putzen besteht aus einem Eimer Wasser in einen Raum kippen und mit einem Wischer das Wasser wieder rausziehen. Wer jedoch kommen würde zu der Feier, wie das Programm aussieht und was sonst noch so auf mich zukommen würde wusste ich nicht.
Als ich ankam wuselten schon wie immer ein paar Kinder auf dem Hof rum und zudem noch ein paar weitere mit unbekannte Personen, die vermutlich Eltern waren. Ich gesellte mich zu Niklas und einer Frau und wir fingen an Kartoffeln zu schälen. Da wir 2 große Eime vor uns hatten, nahm ich an, dass es anscheinend doch ein recht großes Fest wird, womit ich nicht falsch lag. Draußen wurde währenddessen von Vätern Strom verlegt und ein neuer Holzmast zu diesem Zwecke aufgestellt. Auf dem Herd in der Küche kochte schon ein riesen Topf Fleisch vor sich hin und immer mehr Mütter trudelten ein. Was ich nicht ahnte war, dass diese Mütter von circa 9 Uhr an bis 13 Uhr riesige Töpfe voll mit Essen produzieren würden und die eigentliche Veranstaltung erst um 14:30 Uhr begann. So half ich den Vormittag über den Müttern draußen im Garten zu schnippeln und zu kochen. Außerdem wurde der am Vortag schön geschmückte Raum wieder abgeschmückt und das alles in einem anderen Raum wieder aufgebaut. Wir hatten ja Zeit. Zwischendurch wollte ich kurz eine Kamera holen gehen und auf dem Weg kam mir die Lehrerin Rehema mit 2 Hühnern in der Hand entgegen, wovon sie mir eins in die Hand drückte und ich es doch bitte in die Küche bringen sollte. Dem Huhn und mir war das recht unangenehm, aber ich erfüllte meine Aufgabe und trug das Huhn an den Flügeln in die Küche, wo es dann am Tischbein festgemacht wurde.
Gerade als so gegen 13:30 Uhr das Essen fertig war und es losgehen sollte fing es erstmal an aus Strömen zu regnen. Alle Menschen flüchteten sich in Räume wobei Elisa und ich in dem mit 120 Kindern landeten, der wunderbar voll, stickig und heiß war. Dort schwitzten wir vor uns hin bis der Regen nach ließ und es endlich losging. "Losging" war übertrieben. Zunächst bekamen erstmal alle Kinder eine Schüssel mit Essen voll. Zuerst natürlich die Kinder die ihren Abschluss feierten. Bis alle Kinder was hatten, waren diese also fertig und das Programm begann. Wir versammelten uns in dem vorbereiteten Raum, die Kinder der anderen Klassen blieben draußen und spielten. Es wurden ein paar Reden gehalten und irgendwann wurde dann jedes Kind einzeln aufgerufen, um sein "Certificate" abzuholen. Auf dem Certificate war ein kleines Bild des Kindes und die Bescheinigung, dass es die Chekechea erfolgreich abgeschlossen hat. Von den Eltern wurden den Kinden dann bunte Blumen-Hals-Ketten umgehangen und sie bekamen Geschenke. Von der Schule bekamen sie ein Heft und ein Bleistift geschenkt. Unsere 5 Kinder aus dem Heim, die Abschluss feierten, bekamen ihre Ketten von Neema, die als Mutti fungierte. Auch ich war stolz wie Oskar als sie aufgerufen wurden und ihr Certificate entgegen nahmen. Allgemein fand ich diese Ehrung der Kinder sehr rührend. Im Vergleich zu einem deutschen Kindergarten werden die Kinder in Tansania wirklich hart ran genommen und müssen schon viel lernen und sogar Prüfungen in den Fächern schreiben. Dass sie am Ende dafür eine Belohnung und eine eigene Feier bekommen, gleicht nicht alles aus, aber ist doch ein gutes Zeichen für die Kinder. Die vorbereiteten Tänze, Lieder und die kleine Szene auf Englisch wurde noch vorgeführt und brachte den Eltern und allen anderen viel Freude.
Mittlerweile war ich schon kurz vor dem Verhungern, da es 16:30 Uhr war und ich zuletzt um 7 gegessen hatte. Dementsprechend erleichtert war ich dann doch, als das Programm vorerst vorüber war und es raus ging zum Fotos machen. Wir fotografierten unsere 5 Abgänger mit ihren Urkunden und Halsketten. Die einzelnen Bilder reiche ich nach, da Elisa die noch hat. Danach gab es dann endlich auch für uns Essen. Es gab Reis, 2 Sorten Fleisch, Kartoffeln, Weißkraut und Bohnen. Außerdem eine Art gebratenen Reis, der total lecker war. Danach versammelten sich wieder alle im Raum und der Kuchen kam reingetanzt. Das wird eigentlich immer gemacht, wenn es Kuchen gibt. 2 Leute tragen das Blech, alle singen ein "Keki"-Lied (Keki-Kuchen) und feiern, wenn der Kuchen rein kommt. Dann wird der Kuchen in kleine Happen geschnitten und verteilt.
Nachdem das Programm offiziell beendet wurde, wurde die Musik angestellt. Dazu gab es extra eine Anlage und einen Art "DJ", der die Lieder auflegte :D Die Leute und Kinder fingen an zu tanzen und die Stimmung war ausgelassen. Im Laufe des nachmittags wurde ich dann auch noch auf die Tanzfläche gezogen und versuchte mich dem tansanischen Rhythmus anzupassen, was mir mehr oder weniger gelang. Die Leute haben sich total gefreut, dass eine Weiße mittanzt und haben gerufen "Mzungu anacheza"- Die Weiße tanzt, woraufhin mir alle zuschauten, was dann doch eher peinlich war. Ich hatte aber trotzdem total viel Spaß mit den Afrikanern auf ihre Musik zu tanzen.Auch die Leute waren einfach nur glücklich und freuten sich mit den Kindern, auch wenn ab und zu Strom und Musik ausfielen. Um 18:30 Uhr waren dann aber die meisten gegangen und auch ich war total erschöpft. Überall sah es aus wie sau, wie nach einer richtigen Feier eben. Da aber alle fertig waren, wurde erst am nächsten Tag aufgeräumt.
Nachdem noch ein paar Fotos gemacht wurden und Sister Sicilia mir "Hongera"-Glückwunsch zu der vielen Arbeit, die ich geschafft habe, gewünscht hat schleppte ich mich müde und erschöpft, aber total glücklich nach Hause :-)

Das 2. Fest auf dem ich war, fand gestern (9.12.2013) statt. Zum einen war gestern ein Feiertag (Tag der Unabhängigkeit) und zum anderen wurden neue Schwestern und Brüder offiziell in den Orden aufgenommen und es wurden Jubiläen der Schwestern gefeiert. Zu dieser Feierlichkeit ging es zu erst um 10 Uhr in die Kirche. Aus der Kirche raus kamen wir um 14:30 Uhr (!!). Ja unsern ersten wirklich langen Gottesdienst haben wir hinter uns. 4 1/2 Stunden war doch kein Zuckerschlecken. Traurig war, dass wir in diesen 4 1/2 Stunden absolut nichts gesehen haben, außer ein paar Rücken, da wir hinter dem Altar saßen. Die Kirche ist aufgebaut wie ein Kreuz und dort, wo sich die 2 Striche kreuzen steht der Altar. Das heißt, wir saßen sozusagen in der Spitze vom Kreuz. Zwischenzeitlich sind fast alle Kinder im Sitzen eingeschlafen und ich war fast die ganze Zeit damit beschäftigt irgendwen zu zwicken, damit er nicht von der Bank fällt. Aber nicht nur die Kinder sein eingenickt. Auch die 3 Dadas, die aus dem Waisenheim mit waren haben sich ab und zu mal "schlafen gelegt". Und sogar eine von unseren Schwestern hat mal zwischendurch ein Nickerchen gemacht. Wir 3 aber saßen die Zeit tapfer ab. Zwischendurch wäre ich fast erstickt, weil wir mit Weihrauch eingeräuchert wurden. Nicht nur, dass vorne am Altar damit rumgewedelt wurde, es wurde auch noch jeder Kirchenteil separat bewedelt. Dann hat auch noch ein Kind laut gepupst, was Nina dann den Rest gegeben hat. Ihr stummes Lachen endete in Tränen und es viel ihr sichtlich schwer sich zurück zu halten :D Allgemein war reger Verkehr in der Kirche. Zwischendurch sind immer mal Leute aufgestanden und raus gegangen. Auch unsere Kinder waren immer mal unterwegs, was aber normal zu sein scheint bei einem Gottesdienst dieser Länge. Danach ging es auf den Hof der Kirche, wo den Geehrten und den Neuen gratuliert wurde. Es waren circa 20 Brüder und Schwestern und jeder hatte einen kleinen Chor hinter sich herlaufen. Außerdem trugen sie festliche Kopfkränze und Blumenhalsketten. Danach ging es mit einem Teil der Leute in eine große Halle. Die Halle war wirklich modern, hatte sogar gefließten Boden. Dort angekommen gab es erstmal Essen, wir hatten echt Hunger und Durst nach der ganzen Zeit in der Kirche. Es gab 4 Essensstationen und Nina und Ich wurden von 2 netten Schwestern unter ihre Fittiche genommen. Wir stellten uns an und redeten ein bisschen. Dann wurde uns das Essen auf den Teller gemacht, was durchaus keine kleine Portion war. Ich glaube, das war mehr als Nina bisher in den 2 Monaten hier gegessen hat. Dazu gab es für jeden eine Soda. Das Essen fand ich sehr lecker und es gab sogar mal richtiges Gemüse und nicht nur Kraut. Nach dem Essen hat der Bischof eine kleine Rede gehalten und noch ein paar andere Schwestern und Brüder, deren Position ich nicht kenne. Danach wurden Geschenke nach vorne gebracht. fast alle Menschen in der Halle hatten ein kleines Päckchen, was vorne bei den Geehrten abgegeben wurde. Alles wurde mit viel Musik und Tanz begleitet. Danach trat noch eine Gruppe auf, die gesungen und getanzt hat und um circa 17:00 Uhr war das Programm dann zu Ende. Danach unterhielten wir uns draußen noch mit einigen Leuten, machten uns dann aber so gegen 18:00 Uhr auf den Heimweg. Wir waren wieder mal vollkommen fertig, obwohl wir die meiste Zeit gesessen hatten. 4 1/2 Stunden Gottesdienst ist dann doch nicht so leicht wegzustecken. Aber alles in allem war auch das ein tolles Fest. Das nächste Fest wird denn Weihnachten sein und am 28.12.2013 sind wir auf eine Hochzeit eingeladen, worauf wir uns schon sehr freuen.

Hier noch ein paar Bilder von dem Abschlussfest:



Die Küche

Nyama ya ng'ombe - Fleisch der Kuh

Innenhof 

Karibu

Kochen mal anders :D

Die Abschlussklasse und Ich 

Mamas beim Kochen




Als der Regen kam

Neema und die Kids 

Die Lehrer Rehema, Slavia und Christaphora, Sister Sicilia und Betty


Sonntag, 1. Dezember 2013

Sonntagsoutfits

VIELEN DANK, an die beste Designerin für die schönen Kleider :)

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt

Hallo aus Tansania und einen schönen 1. Advent an alle in Deutschland :)
Jetzt ist tatsächlich schon der 1. Dezember und wir sind seit knapp 2 Monaten hier, kaum zu glauben. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir können kaum glauben, dass wir jetzt schon so lange hier sind.
Momentan befinden wir uns in den Anfängen der Regenzeit. Es hat jetzt fast jeden Tag geregnet und mit regnen meine ich keinen kleinen deutschen Schauer. Ein afrikanischer Regen ähnelt eher einem riesigen Eimer Wasser, der auf einmal über eine begrenzte Fläche ausgeschüttet wird. Die Tropfen sind kleine Wasserbomben und wenn man Pech hat ist man innerhalb von 20 Sekunden pitsch nass. Die vorletzte Woche hatten wir fast die ganze Zeit kein Strom, da dieser nach einem heftigen Gewitter ausgefallen war. Am Freitag letzter Woche wurde dann endlich der Strom repariert, nach dem ich schon recht abgeschottet war von der Außenwelt, da sowohl mein Handy- als auch mein Computerakku leer waren. Nachdem der Strom dann repariert war, kam ein neues Gewitter, wodurch der Strom dann wieder ausfiel. Meine euphorische Freude über 3 Stunden Strom und dementsprechend einem vollen Handy-Akku tat das keinen Abbruch. Seitdem geht der Strom aber auch wieder, mit ein paar Außnahmen. Die Gewitter und Regenfälle sind hier auch immer extrem laut. Die Wellblechdächer verstärken den Effekt auch noch, sodass man sein eigenes Wort kaum versteht, wenn es erstmal richtig losgegangen ist. Der Regen dauert meist so eine Stunde. Einen Abend hatten wir das Glück, dass der Regen genau um 19:00 Uhr anfing und somit genau auf unsere Abendesszeit um 19:30 Uhr fiel. Wir saßen dann mit den Schwestern, die bei uns im Haus wohnen in unserem "Wohnzimmer" und warteten darauf, dass wir losgehen konnten zum Essensraum. Wir saßen an die 20 Minuten, im Dunkeln wohlgemerkt, ohne das Gewitter oder Regen Anstalten machten zu verschwinden. Irgendwann ging dann den Schwestern auch die Geduld aus und sie sagten "Twende"- Lasst uns gehen. Wir wurden angewiesen sehr schnell zu rennen, was im Endeffekt sinnlos war. Wir liefen los und auf den 50 Metern über den Hof ließen wir keine einzige Pfütze aus und außerdem rannten wir noch durch eine Dach-Dusche ( ein Wasserfallähnlicher Strahl, der vom Dach runterfließt unter dem wir durch mussten, um in den Innenhof zu gelangen). Außerdem hatte sich auf den Treppen zum Essensraum ein kleiner Fluss gebildet und somit kamen wir nach 30 Sekunden durchgenässt im Essensraum an. Dort erwartete uns, neben dem vielen Essen natürlich, eine Schar Insekten, die irgendwie mit der Regenzeit gekommen sind. Überall liegen Berge von toten Insekten, manchmal summen auch noch welche. Die Lampen im Essensraum sind bevölkert mit Fliegetieren, die ich noch nie gesehen hab und am liebsten auch nicht so oft sehen würde. Außerdem befindet sich seit neustem jeden Abend eine Mücke in unserem Zimmer, die verschwindet sobald wir sie jagen und wieder auftaucht und um uns rum summt, wenn wir wieder liegen.
Mit dem Beginn der Weihnachtszeit ändert sich hier nicht viel. Sowas wie Adventskränze gibt es hier nicht und Adventskalender auch nicht, wenn man nicht wie Nina einen geschickt bekommt, was bei mir  auch nicht der Fall war :D Dafür ist nächste Woche schon die letzte Schulwoche. Die Kindergartenkinder haben letzte Woche bereits sowas wie Abschlussprüfungen geschrieben und die Schneiderschülerinnen schreiben diese kommende Woche. Anscheinend schreiben sie auch "Examinations" in Englisch, die weder Niklas, noch ich vorher gesehen hatten und somit keine Vorbereitungen dafür treffen konnten. Dementsprechend werden die Schülerinnen wahrscheinlich abschneiden...
Mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, dass mein Name "AnnE" einfach zu kompliziert ist für die Menschen hier. Nachdem die Leute dann angefangen haben aus AnnE, AnnO zu machen hat es mir gereicht und seitdem stelle ich mich nur noch mit Anna vor, was deutlich leichter ist. Es macht mich jedes mal mega glücklich, wenn man auf den Hof kommt und schon von allen Seiten "Anna" gerufen wird und die Kinder sich total freuen einen zu sehen. Die Kids haben hier kein einfaches Leben. Es ist im Vergleich zu dem Leben europäischer Kinder sehr eintönig. Jeden Tag das gleiche Essen, jeden Tag der selbe Ablauf, jeden Tag dieselben Menschen, jeden Tag die selbe Beschäftigung. Und trotzdem kann ich aus dem, was ich in 2 Monaten sehen konnte, sagen, dass die Kinder sehr glücklich sind. Sie haben viel Freude und viel Spaß am Leben und kommen gut klar. Der europäische Drang, dass man die "kleinen, armen afrikanischen Kinder" unbedingt aus dieser schlimmen Umgebung und aus den Waisenheimen rausholen und ins gute, reiche Europa bringen muss ist meiner Meinung nach vollkommen unangebracht. Natürlich ist es schlimm, dass die Kinder im Waisenheim leben müssen, weil sie keine Eltern haben, aber sie haben zumindest in unserem Waisenheim kein schlechteres Leben, als Kinder die zu Hause wohnen. Sie kriegen hier viel Liebe und werden aber auch gleichzeitig zu guten Kindern erzogen. Sie sind immer versorgt, sowohl medizinisch, als auch durch Kleidung und Essen. Und ich weiß nicht, ob es einem Kind gut tuen würde, wenn man es aus dieser Umgebung, die ihr einziges zu Hause ist, rausreißen würde, um es in einer "besseren" Umgebung groß zu ziehen. Vorallem den älteren Kindern würde man glaube ich auch viel Freude nehmen. Den Kindern hier geht es sehr gut, auch wenn natürlich nicht alles super ist. Das Thema Schlagen ist meiner Meinung nach eines der größten Probleme. Im Waisenheim hält sich das Schlagen echt in Grenzen, bis jetzt habe ich glaube nur einmal gesehen, wie ein Kind wirklich mit dem Stock auf die Finger geschlagen wurde. Anders sieht das aus im Kindergarten. Dort werden die Kinder jeden Tag mit dem Stock geschlagen. Manchmal nur auf die Hände, manchmal auf auch richtig auf dem Boden liegend und schreiend und weinend. So Situationen kann ich echt nicht gut sehen, vor Allem, wenn es auch noch Kinder aus dem Heim sind, mit denen man zusammen lebt und die einem vertrauen. Zum Thema Schlagen plane ich aber noch mal einen extra Blogeintrag, der das Problem ausführlich schildert. In diesem Zusammenhang werde ich dann auch mehr über das System Kindergarten berichten und wie es mir bis jetzt dort ergangen ist. Das aber wann anders :)
Samstag vor einer Woche waren wir in Iringa und ich konnte endlich mal wieder neue E-Books runterladen. Nina und ich waren in einem W-Lan-Cafe, von dem uns Elisa erzählt hatte. Bevor wir genüßlich unsere Smoothies und den Schokokuchen essen konnten hatten wir noch ein durchaus peinliches Erlebnis. In diesem Café stehen Zettel auf dem Tisch, auf die man schreibt was man haben möchte und diese gibt man dann an der Theke ab und die Bestellung wird einem gebracht. Nina hat den Zettel abgegeben und regte sich über die unfreundlichen Mitarbeiter auf, die ihr nicht geantwortet haben. Kurz darauf bin ich an die Theke, um mein W-Lan freizuschalten und auch ich war nicht positiv begeistert, als der Mitarbeiter nicht mit mir reden wollte, sondern ich meinen Wunsch nur aufschreiben sollte. Bis mir dann das klitzekleine Detail einfiel, von dem Elisa uns erzählt hatte, nämlich, dass das Café von Taub-Stummen betrieben wird. Nina und ich haben uns in Grund und Boden geschämt und natürlich war dann alles klar.
Dann haben wir bei einer Schneiderin auf dem Masaai Markt noch einen neuen Rock in Auftrag gegeben, den wir leider immer noch nicht haben, da die Schneiderin gestern anscheinend Urlaub hatte oder so. Dafür sind unsere Sonntagsoutfits endlich fertig und ein Foto kommt noch :)
Sonst ist alles super und uns geht es hier super gut. Wir haben das Gefühl immer besser anzukommen und auch die Kommunikation wird besser. Unser erstes Etappenziel für unsere Zeit hier ist Weihnachten und das ist ja schon sehr bald :) Wir sind sehr gespannt was noch kommt und vor Allem wie das Fest wohl werden wird.
Allen eine schöne Vorweihnachtszeit und bis demnächst!

Donnerstag, 14. November 2013

Mal was zum Angucken :)

Sister Sicilia na Watoto

Unser Hof, links oben das Dach unseres Hauses 

Hof vom Waisenheim


Joseph

Catherine

Josi

Phillipo

Essenszeit

Irgendein Markt in der Pamba

Unser Dorf von oben


Man beachte die Wäsche im Hintergrund

Niklas na Watoto

Da passen noch ein paar

Phillipo na Mimi 

<3
Phillipo <3