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ich habe für 2013/2014 10 Monate in Tansania, Tosamaganga gelebt. Dort habe ich in einem Kinder- und Waisenheim gelebt. Hier kann man über meine Erlebnisse und Erfahrungen während der 10 Monate lesen und sich über die Aktion Milchpulver für Tosamaganga informieren.

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Sonntag, 1. Dezember 2013

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt

Hallo aus Tansania und einen schönen 1. Advent an alle in Deutschland :)
Jetzt ist tatsächlich schon der 1. Dezember und wir sind seit knapp 2 Monaten hier, kaum zu glauben. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir können kaum glauben, dass wir jetzt schon so lange hier sind.
Momentan befinden wir uns in den Anfängen der Regenzeit. Es hat jetzt fast jeden Tag geregnet und mit regnen meine ich keinen kleinen deutschen Schauer. Ein afrikanischer Regen ähnelt eher einem riesigen Eimer Wasser, der auf einmal über eine begrenzte Fläche ausgeschüttet wird. Die Tropfen sind kleine Wasserbomben und wenn man Pech hat ist man innerhalb von 20 Sekunden pitsch nass. Die vorletzte Woche hatten wir fast die ganze Zeit kein Strom, da dieser nach einem heftigen Gewitter ausgefallen war. Am Freitag letzter Woche wurde dann endlich der Strom repariert, nach dem ich schon recht abgeschottet war von der Außenwelt, da sowohl mein Handy- als auch mein Computerakku leer waren. Nachdem der Strom dann repariert war, kam ein neues Gewitter, wodurch der Strom dann wieder ausfiel. Meine euphorische Freude über 3 Stunden Strom und dementsprechend einem vollen Handy-Akku tat das keinen Abbruch. Seitdem geht der Strom aber auch wieder, mit ein paar Außnahmen. Die Gewitter und Regenfälle sind hier auch immer extrem laut. Die Wellblechdächer verstärken den Effekt auch noch, sodass man sein eigenes Wort kaum versteht, wenn es erstmal richtig losgegangen ist. Der Regen dauert meist so eine Stunde. Einen Abend hatten wir das Glück, dass der Regen genau um 19:00 Uhr anfing und somit genau auf unsere Abendesszeit um 19:30 Uhr fiel. Wir saßen dann mit den Schwestern, die bei uns im Haus wohnen in unserem "Wohnzimmer" und warteten darauf, dass wir losgehen konnten zum Essensraum. Wir saßen an die 20 Minuten, im Dunkeln wohlgemerkt, ohne das Gewitter oder Regen Anstalten machten zu verschwinden. Irgendwann ging dann den Schwestern auch die Geduld aus und sie sagten "Twende"- Lasst uns gehen. Wir wurden angewiesen sehr schnell zu rennen, was im Endeffekt sinnlos war. Wir liefen los und auf den 50 Metern über den Hof ließen wir keine einzige Pfütze aus und außerdem rannten wir noch durch eine Dach-Dusche ( ein Wasserfallähnlicher Strahl, der vom Dach runterfließt unter dem wir durch mussten, um in den Innenhof zu gelangen). Außerdem hatte sich auf den Treppen zum Essensraum ein kleiner Fluss gebildet und somit kamen wir nach 30 Sekunden durchgenässt im Essensraum an. Dort erwartete uns, neben dem vielen Essen natürlich, eine Schar Insekten, die irgendwie mit der Regenzeit gekommen sind. Überall liegen Berge von toten Insekten, manchmal summen auch noch welche. Die Lampen im Essensraum sind bevölkert mit Fliegetieren, die ich noch nie gesehen hab und am liebsten auch nicht so oft sehen würde. Außerdem befindet sich seit neustem jeden Abend eine Mücke in unserem Zimmer, die verschwindet sobald wir sie jagen und wieder auftaucht und um uns rum summt, wenn wir wieder liegen.
Mit dem Beginn der Weihnachtszeit ändert sich hier nicht viel. Sowas wie Adventskränze gibt es hier nicht und Adventskalender auch nicht, wenn man nicht wie Nina einen geschickt bekommt, was bei mir  auch nicht der Fall war :D Dafür ist nächste Woche schon die letzte Schulwoche. Die Kindergartenkinder haben letzte Woche bereits sowas wie Abschlussprüfungen geschrieben und die Schneiderschülerinnen schreiben diese kommende Woche. Anscheinend schreiben sie auch "Examinations" in Englisch, die weder Niklas, noch ich vorher gesehen hatten und somit keine Vorbereitungen dafür treffen konnten. Dementsprechend werden die Schülerinnen wahrscheinlich abschneiden...
Mittlerweile habe ich mich auch damit abgefunden, dass mein Name "AnnE" einfach zu kompliziert ist für die Menschen hier. Nachdem die Leute dann angefangen haben aus AnnE, AnnO zu machen hat es mir gereicht und seitdem stelle ich mich nur noch mit Anna vor, was deutlich leichter ist. Es macht mich jedes mal mega glücklich, wenn man auf den Hof kommt und schon von allen Seiten "Anna" gerufen wird und die Kinder sich total freuen einen zu sehen. Die Kids haben hier kein einfaches Leben. Es ist im Vergleich zu dem Leben europäischer Kinder sehr eintönig. Jeden Tag das gleiche Essen, jeden Tag der selbe Ablauf, jeden Tag dieselben Menschen, jeden Tag die selbe Beschäftigung. Und trotzdem kann ich aus dem, was ich in 2 Monaten sehen konnte, sagen, dass die Kinder sehr glücklich sind. Sie haben viel Freude und viel Spaß am Leben und kommen gut klar. Der europäische Drang, dass man die "kleinen, armen afrikanischen Kinder" unbedingt aus dieser schlimmen Umgebung und aus den Waisenheimen rausholen und ins gute, reiche Europa bringen muss ist meiner Meinung nach vollkommen unangebracht. Natürlich ist es schlimm, dass die Kinder im Waisenheim leben müssen, weil sie keine Eltern haben, aber sie haben zumindest in unserem Waisenheim kein schlechteres Leben, als Kinder die zu Hause wohnen. Sie kriegen hier viel Liebe und werden aber auch gleichzeitig zu guten Kindern erzogen. Sie sind immer versorgt, sowohl medizinisch, als auch durch Kleidung und Essen. Und ich weiß nicht, ob es einem Kind gut tuen würde, wenn man es aus dieser Umgebung, die ihr einziges zu Hause ist, rausreißen würde, um es in einer "besseren" Umgebung groß zu ziehen. Vorallem den älteren Kindern würde man glaube ich auch viel Freude nehmen. Den Kindern hier geht es sehr gut, auch wenn natürlich nicht alles super ist. Das Thema Schlagen ist meiner Meinung nach eines der größten Probleme. Im Waisenheim hält sich das Schlagen echt in Grenzen, bis jetzt habe ich glaube nur einmal gesehen, wie ein Kind wirklich mit dem Stock auf die Finger geschlagen wurde. Anders sieht das aus im Kindergarten. Dort werden die Kinder jeden Tag mit dem Stock geschlagen. Manchmal nur auf die Hände, manchmal auf auch richtig auf dem Boden liegend und schreiend und weinend. So Situationen kann ich echt nicht gut sehen, vor Allem, wenn es auch noch Kinder aus dem Heim sind, mit denen man zusammen lebt und die einem vertrauen. Zum Thema Schlagen plane ich aber noch mal einen extra Blogeintrag, der das Problem ausführlich schildert. In diesem Zusammenhang werde ich dann auch mehr über das System Kindergarten berichten und wie es mir bis jetzt dort ergangen ist. Das aber wann anders :)
Samstag vor einer Woche waren wir in Iringa und ich konnte endlich mal wieder neue E-Books runterladen. Nina und ich waren in einem W-Lan-Cafe, von dem uns Elisa erzählt hatte. Bevor wir genüßlich unsere Smoothies und den Schokokuchen essen konnten hatten wir noch ein durchaus peinliches Erlebnis. In diesem Café stehen Zettel auf dem Tisch, auf die man schreibt was man haben möchte und diese gibt man dann an der Theke ab und die Bestellung wird einem gebracht. Nina hat den Zettel abgegeben und regte sich über die unfreundlichen Mitarbeiter auf, die ihr nicht geantwortet haben. Kurz darauf bin ich an die Theke, um mein W-Lan freizuschalten und auch ich war nicht positiv begeistert, als der Mitarbeiter nicht mit mir reden wollte, sondern ich meinen Wunsch nur aufschreiben sollte. Bis mir dann das klitzekleine Detail einfiel, von dem Elisa uns erzählt hatte, nämlich, dass das Café von Taub-Stummen betrieben wird. Nina und ich haben uns in Grund und Boden geschämt und natürlich war dann alles klar.
Dann haben wir bei einer Schneiderin auf dem Masaai Markt noch einen neuen Rock in Auftrag gegeben, den wir leider immer noch nicht haben, da die Schneiderin gestern anscheinend Urlaub hatte oder so. Dafür sind unsere Sonntagsoutfits endlich fertig und ein Foto kommt noch :)
Sonst ist alles super und uns geht es hier super gut. Wir haben das Gefühl immer besser anzukommen und auch die Kommunikation wird besser. Unser erstes Etappenziel für unsere Zeit hier ist Weihnachten und das ist ja schon sehr bald :) Wir sind sehr gespannt was noch kommt und vor Allem wie das Fest wohl werden wird.
Allen eine schöne Vorweihnachtszeit und bis demnächst!

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