Nach langer Pause mal wieder Hallo aus Tansania! Die Zeit
vergeht einfach viel zu schnell und man merkt gar nicht, wie alles an einem
vorbei fliegt. So habe ich auch die ausstehenden Blogeinträge über Weihnachten,
Silvester, das Schlagen und anderen Dingen vor mir her geschoben. Jetzt neigen
sich allerdings die Ferien dem Ende zu und danach werde ich noch weniger Zeit
haben. Deswegen kommen die nächsten 3 Blogeinträge jetzt schnell hintereinander
und ich hoffe ich kann den Monat Dezember nochmal gut zusammenfassen.
Bevor ich mich der ausführlichen Beschreibung Weihnachtens widme erzähle ich
kurz über ein paar Dinge aus unserer Vorweihnachtszeit. In dieser Zeit ist
nicht wirklich deutsche Weihnachtsstimmung aufgekommen, da es hier einfach so
viele Dinge nicht gibt, die zu einem „deutschen Weihnachten“ dazu gehören. Sei es
Schmuck, Lichterketten, Weihnachtsmärkte, Adventskränze, Weihnachtssüßigkeiten
oder die Kälte. Ein bisschen vermisst habe ich den ganzen Weihnachtstrubel
schon, aber den werde ich noch oft genug haben.
Ich habe in der Zeit dafür ein paar andere Dinge erlebt, von denen ich
ein bisschen erzählen will.
Zum einen haben wir an einem Sonntag nach der Kirche unseren Freund Moses
besucht. Er ist 25, hat bereits Theologie und Geschichte studiert, lernt seit 4
Monaten sehr erfolgreich deutsch und ist zudem auch noch Priesteranwärter. In 4
Jahren wird er vermutlich ein richtiger Priester sein und bis dahin widmet er
sich noch weiteren Studien. Er hat uns nach der Kirche eingeladen und es gab
erstmal ein 2. Frühstück. Einladungen beinhalten in Afrika grundsätzlich Essen.
Wir uns also nett mit ihm und noch 2 weiteren Schwestern unterhalten (teilweiße
auch auf deutsch) und dazu Tee getrunken und Brot gegessen. Wir haben viel über
die Unterschiede zwischen Tansania und Deutschland geredet. Garnicht glauben konnten unsere Gastgeber, dass wir
eigentlich nur einmal am Tag warm essen und es abends eigentlich eher Brot
gibt. Und ein Leben ohne Ugali ist auch unvorstellbar für Tansanier.
Nach dem Essen sind wir ein bisschen spazieren gegangen in Tosamaganga, was wirklich
ein wunderschöner Ort ist. Vor allem nachdem es jetzt so viel geregnet hat, ist
die gesamte Gegend grün geworden, was alles anders aussehen lässt. Nachdem wir
ein bisschen gelaufen sind verkündete Moses, dass wir nun die „Wazee“ besuchen
werden. „Wazee“ bedeutet alte Menschen, aber wir wussten trotzdem nicht so
richtig, wie wir das verstehen sollten. Bis wir dann ankamen und sahen, dass es
eine Art Altenheim für die Schwestern war. Direkt auf dem Berg von Tosamaganga,
mit tollem Blick über die ganze Iringa-Gegend steht das Gebäude. Wie viele
Gebäude in Tansania, hat auch dieses einen „Innenhof“. Auf diesem steht die
kleine Kirche für die ca. 25 älteren Schwestern, die dort wohnen. Rundherum ist
alles schön bepflanzt und ordentlich gepflegt. An den 4 Seiten liegen dann die
Zimmer der Schwestern. Wenn ich sage „ältere“ Schwestern untertreibe ich
vielleicht ein bisschen. Im Durchschnitt waren die Schwestern bestimmt 90.
Manche saßen schon im Rollstuhl, andere gingen im 90° Winkel gebückt. Trotzdem
haben sich die Schwestern unglaublich über unseren Besuch gefreut. Eine
Schwester hat uns sogar die Hände geküsst. Ich kann es so schlecht in Worte
fassen, wie es für mich war. Ich war so gerührt, dass sich so um die Schwestern
gekümmert wird, wenn sie älter werden und diese trotz aller Einschränkungen so
dankbar sind. Am meisten beeindruckt hat mich eine Schwester die 1935 als erste
Schwester nach Tosamaganga gekommen ist und jetzt stolze 106 Jahre alt ist.
Zwar konnte sie nicht mehr hören, aber dafür konnte sie noch laufen und war
erstaunlich fit. Sie hat unsere Hände genommen und wollte garnicht mehr auf ihr
Zimmer zurück, sondern viel lieber mit uns rum gehen. Ich fand das alles so
toll, dass ich mich total beherrschen musste nicht los zu heulen. Ich bin Moses
total dankbar, dass er uns das „Altenheim“ gezeigt hat. Nachdem wir wieder
zurück gegangen sind und auch noch Mittagessen gegessen haben, haben wir uns
wieder auf den Heimweg ins Waisenheim gemacht.
Seit Dezember singen Nina, Niklas und ich auch so richtig im Chor mit. Der ist
nicht sonderlich regelmäßig, aber sobald ein Auftritt ansteht, wird auf einmal
super intensiv geprobt. So hatten wir vor unserem Auftritt Heiligabend in der
Kirche eine ganze Woche lang jeden Tag in etwa 2 Stunden Probe. Irgendwann
hatte ich echt keine Lust und keine Stimmer mehr. Zudem ist der Chor wie gesagt
etwas unzuverlässig, was aber auf alle zeitlichen Angaben hier in Tansania
zutrifft. Wenn der Chor um „4“ anfängt, laufen wir frühstens um halb 5 los. Und
selbst dann sind wir noch mit die Ersten. Allen Zeit-, Orts- und Tagesangaben
vertraue ich hier mittlerweile nicht mehr.
Einmal hat Brother Bosco uns mitgenommen zu dem Grundstück der Brüder. Dort
haben wir dann auch gleich den ersten Bruder hier in Tosamaganga kennengelernt,
der sogar „nur“ 97 war.
Ein weiteres Erlebnis hatte ich am 23. Dezember. Dort bin ich mal mit Nina für
einen Morgen mit ins Krankenhaus gegangen, um mir die Arbeit auf der
Geburtenstation anzugucken. Zu meinem Glück durfte ich auch gleich 2
Kaiserschnitte erleben, aber leider keine richtige Geburt. Ansich ist das
Krankenhaus echt schon modern und vor allem riesig, allerdings erinnern manche
Dinge auch ein bisschen ans Mittelalter. Die Ärzte machen auf mich einen guten
und qualifizierten Eindruck. Hierzu ein kleiner Einschub aus der Anfangszeit
hier. Wie ja allen regelmäßigen Lesern meines Blogs bekannt ist, hatte ich
einen sehr stark entzündeten Mückenstich. Als dieser dann sogar schon beim
normalen Stehen wehgetan hat, habe ich mich zu einem Arztbesuch entschieden.
Ich bin also morgens mit Nina gegen halb 8 losgelaufen. Da ich keine Ahnung
hatte, wo ich hin musste, haben wir eine Schwester gefragt, die mich an Peter
weiter geleitet hat. Dieser arbeitet in der Aufnahme und war ab dann mein
Begleiter. Er hat mich in eine Art „Wartezimmer“ gesetzt, was allerdings eher
ein Flur war. Das gesamte Krankenhaus ist eigentlich eher ein offenes Gebäude.
Alles ist zur Mitte hin offen und die Gänge grenzen direkt an den Innenhof. Da
saß ich nun also und wartete bis die Ärzte aus ihrer morgendlichen Besprechung
kamen. Um halb 9 kam dann ein Arzt und nahm mich mit ins Behandlungszimmer. Das
sah im Grunde aus wie ein deutsches Behandlungszimmer. Ein Tisch, 2 Stühle,
eine Liege, ein paar Geräte und ein paar Dokumente. Der Arzt schaute sich den
Stich in etwa 2 Sekunden an und verschrieb mir Antibiotikum und Schmerzmittel.
Hier gibt es keine Verschreibungszettel, sondern jeder Patient kriegt sowas wie
eine „Kundenkarte“ :D Dort steht Name, Alter und Geschlecht drauf. Dann wird
dort auch die Diagnose und die Medikamente dagegen drauf geschrieben. Diese
Karte muss man sich aufheben, denn man bringt sie zu jedem Arztbesuch wieder
mit. Als ich fertig war (ich habe 45 Minuten gewartet und war 5 Minuten in
Behandlung), ist Peter mit mir weiter gezogen. Erstmal zu einem Raum, wo ich
meine Medikamente bezahlen musste. Ich habe für 30 Tabletten Antibiotikum und
18 Tabletten Paracetamol 2300 Schilling bezahlt: 1,15€. Danach sind wir zur
Apotheke gegangen. Dort habe ich dann aus Dosen meine Tabletten in kleine
Braune Tütchen abgezählt bekommen. Mit meinen Medikamenten bin ich dann wieder
nach vorne gegangen und mein Arztbesuch war beendet. Vorne an der Anmeldung sah
ich dann eine ganz lange Schlange Menschen stehen. Ich habe Peter gefragt,
worauf sie alle warten. Dann erst sagt er mir, dass sie „Sprechstunde“
eigentlich erst um 9 anfängt und die Menschen darauf warten angemeldet zu
werden und behandelt zu werden. Da erst wurde mir klar, dass ich einfach nur
vorgezogen wurde. Es war mir so unangenehm an den bestimmt 20 dunkelhäutigen
Menschen vorbei zu gehen, die alle auf einen Arzt warten und ich mit meinem
kleinen Mückenstich war schon fertig und noch vor der Sprechstunde ohne Warten
dran gekommen, nur weil ich eine „Mzungu“ (Weiße) bin. Für das nächste mal weiß
ich allerdings Bescheid, dann werde ich mich um Punkt 9 brav zu den anderen
Kranken in die Schlange stellen.
Zurück zu meinem Besuch bei Nina. Ich war also zum ersten Mal in meinem Leben
bei einem Kaiserschnitt dabei. Ich war sogar zum ersten Mal in meinem Leben
überhaupt in einem Operationssaal (vom Tierarzt mal abgesehen). Der sah
eigentlich ganz normal und modern aus. Monitore, Geräte, Operationsgeschirr.
Nur die Türen verrieten mir, dass wir in Afrika sind. Das waren nämlich
Holz-Klapptüren. Mich erinnerte das an Klapptüren von Kneipen in
Western-Filmen.
Der Kaiserschnitt ging ganz schnell. Die Frau wurde betäubt, der Bauch
aufgeschnitten, ein bisschen gedehnt und dann kam das Kind schon rausgefluppt.
Ein bisschen dramatischer hatte ich es mir vorgestellt, aber es war trotzdem
ein tolles Gefühl bei so einem Moment dabei zu sein. Zur Krönung durfte ich
dann auch noch die Nabelschnur durchschneiden. Da hab ich mich dann wirklich
wie der Ober-Boss gefühlt, wie ich mit meinem Mundschutz und meiner Kopfhaube
meine eigene kleine Operation durchführen durfte. Ich gebe zu, es hat ungefähr
2 Sekunden gedauert aber es war trotzdem cool. Danach musste ich dann erstmal
rausgehen, weil die Luft mit Mundschutz echt knapp wird und ich geschwitzt habe
wie nichts. Was ich auch interessant fand war, dass schwarze Kinder garnicht
richtig schwarz zur Welt kommen. Erstmal sind sie mehr so grau. Das eine Kind
war sogar heller als ich. Biologisch kann ich mir den Vorgang leider nicht
erklären, wie das Kind dann noch dunkler wird, aber interessant fand ich es
trotzdem.
Mir wäre der Krankenschwester-Job allerdings nichts. Nina ist ungefähr die
Hälfte vom Tag am Rumlaufen durch das gesamte Krankenhaus, was mir ja eher
nichts ist. Aber es war trotzdem schön, mal einen Tag mitzuerleben und vor
allem eine Geburt mitzuerleben.
Das war dann schon der letzte Tag vor dem 24. . Alles was danach kommt,
schreibe ich im Weihnachtseintrag, der bald folgen wird.
Ich hoffe ich konnte ein paar Erlebnisse aus meiner Vorweihnachtszeit gut
darstellen. Leider ist es unmöglich die ganzen Erlebnisse und Eindrücke richtig
in Worte zu fassen. Ich will alles so gut erklären, wie ich kann aber trotzdem
stellt es nie dar wie es wirklich war. Auch Fotos können nie genau das
einfangen, was ich zeigen will. Ich hoffe, ihr erfreut euch trotzdem an dem was
ich schreibe, ich gebe Alles J